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Archiv: Beiträge 2017 bis 2013 zum Thema

Zuchtfragen und Genetik


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Donnerstag, Februar 9, 2017

Kurznachrichten aus der Genetik


Erbkrankheiten sind weit verbreitet
Quelle: ScienceDaily (Aug. 22, 2016)

"Wir haben festgestellt, dass überraschenderweise viele Hundeerbkrankungen weiter verbreitet sind, als die ursprünglichen Krankheitsstudien annahmen..." erklärt Senior-Autor Dr. Hannes Lohi von der Universität Helsinki, Forschungsgruppe Hundegenetik. "Das technologische Potential, einen Hund auf multiple Erbkrankheiten auf einmal zu testen, existiert seit mehreren Jahren. Die Herausforderung besteht darin, dieses Potenzial für die praktische Anwendung in der Diagnostik, der nachhaltigen Zuchtwahl, der personalisierten Tierpflege und der Hundegenetikforschung zu nutzen", so der leitende Autor Dr. Jonas Donner von Genoscoper Laboratories. Genoscoper Ltd. ist ein finnisches Unternehmen, spezialisiert auf Tiergenetik und Gentests.

Es wurden fast 7000 Hunden, die etwa 230 verschiedene Rassen repräsentierten, auf die Veranlagung zu fast 100 genetischen Störungen getestet. Das Forschungsteam stellte fest, dass 1 von 6 Hunden mindestens eine prädisponierende genetische Variante der getesteten Krankheiten in ihrem Genom trug. Darüber hinaus wurde 1 von 6 der getesteten genetischen Varianten auch bei einer Hunderasse entdeckt, in der es in der wissenschaftlichen Literatur bisher keine Berichte darüber gab. Durch die klinische Nachverfolgung von genetisch gefährdeten Hunden konnte das Forscherteam bestätigen, dass mehrere dieser Erbkrankheiten die gleichen Krankheitszeichen auch in diesen Rassen verursachen.

Genetisches Panel-Screening liefert Ergebnisse: Die Studie kommt zu dem Schluss, dass ein umfassendes Screening über Hundeerbkrankheiten ein effizientes und leistungsstarkes Diagnose-und Forschungs-Werkzeug ist, das eine Reihe von Anwendungsmöglichkeiten in der Tiermedizin, Krankheitsforschung und in der Hundezucht hat. Die Autoren betonen, dass die Verfügbarkeit von komplexen DNA-basierten Informationen wichtige Fortschritte für die Verbesserung der Gesundheit von reinrassigen Hunden ist, aber es sollte in Kombination mit anderen etablierten Ansätzen genutzt werden, die nachhaltig die Gesundheit in der Zucht der Rasse fördern.

Kooperation ist der Schlüssel zu gesünderen Hunden: Unsere Studie zeigt die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Mitwirkenden - Wissenschaftler, Industrie und Hundezüchter -, um neue Ressourcen zu eröffnen, die nicht nur ein besseres Verständnis der genetischen Gesundheit von Hunden, sondern auch brauchbare Lösungen zur Verbesserung der Gesundheit ermöglichen. "Die veröffentlichte Studie liefert auch ein hervorragendes Beispiel für den Mehrwert der Forschungskooperationen zwischen Hochschule und Industrie in einer Form, die zu einer kraftvollen Innovation führt, die die alltägliche Praxis in der Tiermedizin ändert und das Wohlergehen unserer Hunde verbessert", so Lohi.


Hunde wurden zweimal dosmestiziert
Quelle: ScienceDaily (Jun. 16, 2016)

Die Frage "Woher kommen Haushunde?" hat die Gelehrten schon lange geärgert. Einige argumentieren, dass die Menschen zuerst Wölfe in Europa domestizierten, während andere behaupten, dies geschah in Zentralasien oder China. In einem neuen Papier, veröffentlicht in Science, legt nahe, dass alle diese Aussagen richtig sein können. Mit Unterstützung des Europäischen Forschungsrates und des Forschungsrates für die Umweltforschung hat ein großes internationales Wissenschaftlerteam die genetischen Daten mit den vorhandenen archäologischen Fakten verglichen und zeigt, dass der beste Freund des Menschen unabhängig von zwei getrennten (möglicherweise ausgestorbenen) Wolfspopulationen entstanden sein könnten - auf gegenüberliegenden Seiten des eurasischen Kontinents. Dies bedeutet, dass Hunde nicht einmal, wie allgemein geglaubt, sondern zweimal domestiziert worden sind.

Ein großes internationales Forschungsprojekt zur Hundedomestizierung unter der Leitung der University of Oxford hat die Evolution der Hunde rekonstruiert, indem sie zunächst das Genom (im Trinity College Dublin) eines 4.800 Jahre alten mittelgroßen Hundes aus Knochen, die aus dem neolithischen Ganggrab von Newgrange, Irland, ausgegraben wurde, sequenzierten. Das Team fand auch mitochondriale DNA aus 59 Hunden, die vor 14.000 bis 3.000 Jahren lebten. Sie verglichen diese dann mit den genetischen Signaturen von mehr als 2.500 modernen Hunden.

Die Ergebnisse ihrer Analysen zeigen eine genetische Trennung von modernen Hundenpopulationen, die derzeit in Ostasien und Europa leben. Seltsamer Weise scheint diese Populationsspaltung erst nach den frühesten archäologischen Beweisen für Hunde in Europa stattgefunden zu haben. Der neue genetische Beweis zeigt auch einen Populationswechsel in Europa, durch den anscheinend die früheste einheimische Hundepopulation dort weitgehend ersetzt wurde, was den Beweis dafür unterstützt, dass es eine spätere Ansiedlung von Hunden von anderswo her gab. Schließlich zeigt eine Überprüfung der archäologischen Aufzeichnungen, dass frühe Hunde sowohl im Osten als auch im Westen vor mehr als 12.000 Jahren, aber in Zentralasien vor nicht mehr als 8.000 Jahren auftraten.

Kombiniert deuten diese neuen Erkenntnisse darauf hin, dass Hunde in geographisch getrennten Wolf-Populationen auf gegenüberliegenden Seiten des eurasischen Kontinents domestiziert wurden. Irgendwann nach ihrer Domestikation verteilten sich die östlichen Hunde mit wandernden Menschen in Europa, wo sie sich mit den europäischen Hunden vermischten und meist ersetzten. Die meisten Hunde heute sind eine Mischung aus östlichen und westlichen Hunden - ein Grund, warum frühere genetische Studien schwierig zu interpretieren waren. Das internationale Projekt, in dem antike und moderne genetische Daten mit detaillierter morphologischer und archäologischer Forschung kombiniert wurden, analysiert derzeit Tausende von alten Hunden- und Wolfsknochen, um diese neue Perspektive zu erhärten und den Zeitpunkt und Ort der Entstehung unseres ältesten Haustiers zu bestimmen.


Sonntag, Januar 15, 2017

Sinkende Fruchtbarkeit bei Zuchtrüden

Quelle: ScienceDaily (Aug. 9, 2016)


Eine Studie unter der Leitung von Forschern an der University of Nottingham zeigt, dass die Fruchtbarkeit von Rüden in den letzten drei Jahrzehnten einen starken Rückgang erlitten hat. Die Spermienqualität in einer Population von Zuchthunden war über einen Zeitraum von 26 Jahren deutlich gesunken. Die Arbeit stellte eine potenzielle Verbindung zu Umwelt-Kontaminanten her. Chemikalien fanden sich in den Spermien, Hoden und in einigen handelsüblichen Tiernahrungen. In der gefundenen Konzentration hatten sie eine nachteilige Wirkung auf die Spermienfunktion.

Als "besten Freund des Menschen" und engsten Tierbegleiter glauben die Forscher, dass die neuesten Ergebnisse Aufschluß geben können über den signifikanten Rückgang der menschlichen Samen-Qualität. Die Arbeit konzentrierte sich auf fünf Rassen - Labrador Retriever, Golden Retriever, Curly Coat Retriever, Border Collie und Deutscher Schäferhund - mit 42 bis 97 untersuchten Hunden pro Jahr. Über die 26 Jahre der Studie fanden die Forscher eine markante Abnahme im Prozentsatz der normalen beweglichen Spermien. Zwischen 1988 und 1998 sank die Spermienmotilität um 2,5 Prozent pro Jahr, und nach kurzer Zeit, als die Hunde mit beeinträchtigter Fruchtbarkeit aus der Studie ausgesondert wurden, sank die Spermienmotilität von 2002 bis 2014 mit einer Rate von 1,2% pro Jahr weiter.

Darüber hinaus entdeckte das Team, dass die männlichen Jungtiere, die von den Zuchthunden mit sinkender Samenqualität erzeugt wurden, eine erhöhte Inzidenz von Kryptorchismus hatten, d. h. die Hoden von Jungtieren stiegen nicht korrekt in den Hodensack hinab. Die gleichen Chemikalien, die die Spermienqualität beeinträchtigten, wurden auch in einer Reihe von handelsüblichem Welpen-Hundefutter entdeckt.


Sonntag, Oktober 16, 2016

Negative genetische Domestikationsfolgen

Quelle: ScienceDaily (Jan. 11, 2016)


Die Domestizierung des Hundes aus den grauen Wölfen vor mehr als 15.000 Jahren kann durch künstliche Selektion und Inzucht zu schädlichen genetischen Veränderungen geführt haben, sagt eine neue Studie. Sie fanden, dass durch die Domestication die Anzahl von schädlichen genetischen Veränderungen, wahrscheinlich als Folge einer vorübergehenden Verringerung der Populationsgröße, bekannt als "Bottleneck" (Flaschenhals), zu diesem Anstieg geführt habe.

Forscher analysierten jetzt die vollständige Genomsequenzen von 19 Wölfe; 25 wilden Hunden aus 10 verschiedenen Ländern und 46 domestizierten Hunden aus 34 verschiedenen Rassen. "Bottlenecks" sind mit Domestizierung verbunden. Sie führen wahrscheinlich zu einer erhöhten Frequenz von schädlichen genetischen Variationen bei Hunden", sagte Kirk Lohmüller, Senior-Autor der Forschung und Assistant Professor für Ökologie und Evolutionsbiologie am UCLA College in Kalifornien. "Unsere Forschung legt nahe, dass solche schädlichen Varianten auf positiv ausgewählten Gen-Regionen huckepack sitzen", sagte Lohmüller. "Somit kann bei kleinen Populationen, wenn z.B. auf kleinere Körpergröße oder auf Fellfarbe gezüchtet wird, eine Anhäufung von schädlichen genetischen Variationen zu Entwicklungsstörungen und anderen Gesundheitsrisiken führen."

Zuchtprogramme benötigen eine große Ausgangspopulation, um unbeabsichtigte, gesundheitsschädigende Ergebnisse zu vermeiden. (Für uns BulldoggerInnen eine sehr interessante spezielle Studie zu diesem Thema: "Ist des Bulldogs Genpool vielfältig genug, um ihm als Rasse gesundheitlich zu helfen?" Mehr darüber ist nachzulesen im Beitrag vom 21. August 2016. Bitte zum Datum herunter scrolen.)


Dienstag, September 6, 2016

Verhaltensgenetik: Angst und Aggression

Quelle: ScienceDaily (Aug. 10, 2016)


In der Hunde-Verhaltensgenetik gibt es erste bestätigte Ergebnisse:

Es gibt neun Angst/Aggressions-Wesensmerkmale.

Während viel über die Biochemie von Angstzuständen verstanden wird, ist nur wenig über die damit verbundenen genetischen Variationen bekannt. Eine neue Studie berichtet, dass beim Hund die genetische Veranlagung für Aggression gegenüber seinem Eigentümer oder einem vertrauten Hund sich von der Angst und Aggression gegenüber unbekannten Menschen und Hunden unterscheidet. Die Forscher identifizierten etwa 12 Gene, die mit diesen Merkmalen in Verbindung stehen.

"Unser Hauptfokus lag auf spezifischen Genen, die mit für Aggressionen gegenüber fremden Menschen und Hunden relevanten Genen in zwei Genomregionen verbunden sind", sagte Carlos Alvarez, PhD, Principal Investigator in dem Zentrum für Molekulare und Humangenetik im Forschungsinstitut des Nationwide Children's Hospital. "Diese Gene gehören konsistent zur Kernangst und Aggression des Neuralweges, der als Amygdala-Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren Achse bekannt ist." "Die Ergebnisse werden sich nicht nur auf die wichtigsten Hundeverhaltensprobleme beziehen, sondern sind wahrscheinlich auch von großer Bedeutung für die menschliche Angststörungen."

Die unmittelbaren Auswirkungen dieser Ergebnisse betreffen die Tierverhaltensmedizin, wie Gentests zur Risikoabschätzung bestimmter Arten von Angst und Aggression. Langfristig sind sie ermutigend für Erwachsene und Kinder mit Angststörungen.

Da diese Risikovarianten alle Hunderassen betreffen, bietet sich eine ideale Testsituaton für Veterinäre neue biochemischen Therapien zu entwickeln. Sobald festgestellt wird, welche neuronalen Schaltkreise durch die (genetische) Risikoänderung betroffen sind, wird dies wahrscheinlich zu Medikamenten führen, welche emotionale Verhaltenseffekte verringern oder verstärken können. Diese könnten sofort mit der Zustimmung des Hundebesitzers getestet werden. Und wenn diese Therapien bei Hunden wirksam sind, dann können sie bei Menschen mit ähnlichen Verhaltensstörungen angewendet werden. Die Erkenntnisse über die Neuralwege wird auch zu der Entwicklung von Biomarkern führen, die verwendet werden können, um die Patienten herauszufinden, die am wahrscheinlichsten auf solche Behandlungen reagieren.

"Dieses Projekt hat gerade erst begonnen", sagte Dr. Alvarez. "Wir sind weiterhin dabei zu forschen und andere Gene zu identifizieren, die mit Angst/Aggression verbunden sind. Wir sind gespannt, was diese Forschungen weiterhin aufdecken werden."


Kommentar: Politik- und Zuchtkritik

Es gibt immer noch Bulldog-Zuchtlinien, in denen sich ein ängstliches Wesen dominant vererbt. Das liegt daran, dass Jahrzehnte lang körperliche Rassenmerkmale - bei Vernachlässigung von Wesensmerkmalen - entscheident für die Zuchtauswahl waren. Leider geschieht das in manchen Zuchtvereinen auch heute noch: es geht dabei um Pokale als Marketingvorteil!

Ein einzelner ängstlicher Welpe kann aber auch bei Paarungen ausgeglichener, nicht verwandter Bulldogs in jedem Wurf dabei sein. Irgendein ängstlicher Vorfahre hat sich dann nach den Zufallsprinzip genetisch durchgesetzt.

Einen männlichen ängstlichen Welpen sollte man später nicht kastrieren lassen, denn das Testosteron stärkt ihn mental; es gleicht die ererbte Ängstlichkeit etwas aus. Das Risiko, dass er ein Angstbeißer wird, verringert sich dadurch.

Die Erziehung eines ängstlichen Bulldogs sollte darauf abzielen ihm/ihr Vertrauen in die Außenwelt zu stärken: feste Regeln und stabile Führung sind dafür wichtig. Solch ein Hund fühlt sich überfordert und reagiert ängstlich bis aggressiv, wenn er Einschätzungen und Entscheidungen bezüglich Fremden und/oder fremden Situationen selbst treffen soll. Starke Führung durch den Menschen hilft ihm, denn er ist weniger ein Selbstentscheider als der Bulldog im Allgemeinen.

Die Studienergebnisse oben berühren die Frage der geerbten Wesenseigenschaften bestimmter als aggressiv eingestufter Rassen.

Bestimmte Rassen (einige der "Listenhunde" - der heutige Englische Bulldog gehört nicht dazu) wurden duch eine Zuchtauswahl geschaffen, die auf ausgeprägte Aggression angelegt war, und es in bestimmten Milieus auch noch ist.

Trotzdem gibt es in den Würfen von auf Aggression angelegten Zuchten auch immer wieder sanfte Welpen dabei. Was alle Fachleute sagen stimmt, man kann Aggression keinesfalls allgemein an einer Rasse festmachen.

Die Behörden zeigten durch ihre grob verallgemeinernde Rasselisten-Regelung der "gefährlichen Hunde" Unbelehrbarkeit zulasten der Hunde und ihrer Menschen. Und sie agierten populistisch - was sie bei Anderen stets und ständig lauthals verurteilen :-((! Die Rasselisten gehören in allen Bundesländern abgeschafft. Statt dessen wäre es zielführend jeden Hundehalter einem "Hundehalter-Eignungstest" zu unterziehen, auch und besonders im Interesse der Hunde.

Ich plädiere für stärkere gesetzliche Regelungen und Kontrollen in der Hundezucht allgemein: Qual- und Aggressionszucht gehören nicht mehr in unsere Welt!


Sonntag, August 21, 2016

Ist des Bulldogs Genpool vielfältig genug,

um ihm als Rasse gesundheitlich zu helfen ?

Quelle: ScienceDaily (July 29, 2016)


Der Englische Bulldog ist eine der ungesündesten Hunderassen der Welt. Laut einer aktuellen Studie könnte es schwierig sein, seine Gesundheit aus dem bestehenden Genpool heraus zu verbessern, den Züchter zu spezieller merkmalausprägung kreiert haben. Die begrenzte genetische Vielfalt der Rasse könnte die Möglichkeit von Züchtern minimieren, einen gesunden Phänotypen aus dem noch vorhandenen genetischen Material neu zu generieren.

Viele große Regionen des Bulldog-Genoms wurden, um extreme Änderungen in ihrer äußeren Erscheinung zu erreichen, verändert. Dies schließt einen signifikanten Verlust der genetischen Vielfalt in der Region des Genoms ein, die viele der Gene enthält, die die normalen Immunfunktionen regulieren. Trotzdem ist der Englische Bulldog eine der beliebtesten Hunderassen, vor allem in den USA, wo er die viert-beliebteste Rasse in 2015 war.

Der Hauptautor Niels Pedersen vom Center for Companion Animal Health, University of California, US, sagte: "Die Englische Bulldogge hat den Punkt erreicht, wo Popularität nicht mehr die gesundheitlichen Probleme entschuldigen könne, welche die durchschnittliche Bulldogge in ihrer oft kurzen Lebensdauer erträgt. Mehr Menschen scheinen weniger um ihre Gesundheit besorgt zu sein, als sie in ihr Aussehen verliebt sind."

Die Verbesserung der Gesundheit durch genetische (Zucht-)Manipulationen setzt voraus, dass noch genügend genetische Vielfalt vorhanden ist, aus der von innen heraus die Rasse gesundheitlich zu verbessern ist... Wir fanden, dass noch ein kleiner genetischer Spielraum beim Bulldog existiert, um in der Zucht genetische Veränderungen zu erreichen."
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Pedersen fügt hinzu: "Diese Veränderungen sind seit hunderten von Jahren aufgetreten, aber besonders rasant in den letzten Jahrzehnten. Züchter nutzen die bestenfalls in der Rasse noch existierende kleine genetische Vielfalt, aber es gibt leider immer noch Welpen von hochgradig (linien-)ingezüchteten Eltern. Leider kann die Beseitigung aller schädigenden Mutationen nicht allein das Problem lösen, da dies eine weitere genetische Vielfaltreduzierung bedeuten würde.

Wir stellen auch in Frage, ob weitere Modifikationen, wie etwa die schnelle Züchtung auf seltene Fellfarben, oder den Körper kleiner und kompakter bei höherer Faltenbildung der Haut zu züchten, die ohnehin fragile genetische Vielfalt des Bulldogs verbessern kann." (Video-Bilder zuchtbedingter gesundheitlicher Beeinträchtigungen: LINK)

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Dies ist die erste breit angelegte Beurteilung der genetischen Vielfalt in der englischen Bulldogge durch DNA-Analysen statt durch Stammtafeln. DNA-Analyse ist notwendig um die genetische Vielfalt zu messen, zu überwachen und zu erhalten.
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Dies ist schon bei einigen anderen Rassen einschließlich Standard- und Miniatur-Pudel, amerikanischem Golden Retrievers und amerikanischen sowie italienischem Windhund geschehen. Die Forscher versuchten zu erkennen, ob noch genügend genetische Vielfalt innerhalb der Rasse besteht, um erhebliche Verbesserungen innerhalb des bestehenden Genpools erreichen zu können.

Sie untersuchten 102 englische Bulldoggen, 87 aus den USA und 15 aus anderen Ländern. Diese wurden genetisch verglichen mit zusätzlichen 37 englischen Bulldoggen, die vom 'US-Davis-Veterinary Clinical Services für gesundheitliche Probleme' kamen, um festzustellen, ob deren genetische Probleme die Schuld von kommerziellen (Massen-)Züchtern waren. Viele Schweizer Züchter haben die Rasse mit der Olde English Bulldog (einer amerikanische Rasse) gekreuzt in der Hoffnung, dadurch die Gesundheit zu verbessern. Obwohl Auskreuzungen die Gesundheit verbessern könnte, meinen viele Züchter, dass es durch die Abweichungen vom Standard des Englischen Bulldogs eben nicht mehr der Englische Bulldog ist.

Die Rasse English Bulldog begann nach 1835 aus einer relativ kleinen genetischen Basis mit einer Gründerpopulation von 68 Individuen hervor zu gehen, und hat eine Reihe von durch Menschen geschaffe Engpässe (eine drastische Verringerung der Populationsgröße) durchgemacht. Dies könnten auch schon stark die genetische Vielfalt verringert haben.


Kommentar

In den letzten Jahren konzentrierten sich Forscher immer mehr auf die Populationsgenetik, besonders im Interesse gefährdeter Arten. Dabei geht es, verkürzt gesagt, um statistische Aussagen über den Zusammenhang von genetisch bedingten Gesundheitsschäden und der Größe der jeweiligen Population.

Ist die Population sehr klein, d. h. ist z.B. die Anzahl der Zucht-Bulldogs, auf die ein Züchter vereins- oder finanzbedingt typischerweise zugreift, sehr klein, so kommt es zur Ausdünnung des Genpools (Flaschenhals) und dadurch zu Schäden bei den Nachkommen. (Worin die Schädigung genauer liegt, habe ich im Beitrag vom 15. August 2015 etwas genauer ausgeführt. Bitte zum Datum herunter scrolen.)

Wird wie beim Bulldog diese Verwandschafts- und Linieninzucht über Jahrzehnte immer weiter praktiziert, so kommt es irgendwann zu einem Punkt von "No Return" - eine Umkehr ist nicht mehr möglich. Eine Rückanreicherung des Genpools ist aus der Rasse selbst heraus nicht mehr möglich, weil zu viele Genvariationen einfach verloren gegangen sind. Dann ist der Rasse ohne Einkreuzen anderer Rassen nicht mehr zu helfen. Wie oben beschrieben, ist es beim Bulldog heute nur fast soweit.

Die oben zitierten Studie bestätigt meine Beobachtung, dass es für den Bulldog noch nicht endgültig zu spät ist. Nötig ist es in der Breite nur mit Bulldogs zu züchten, die bis zu mindestens 5 Generationen zurück keine gemeinsamen Ahnen haben.
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Ich sehe ein Problem darin, dass im Allgemeinen weder Züchter noch Käufer ein Verständnis für genetische Zusammenhänge mitbringen. Leider fallen deshalb Käufer oft auf das pseudo-professionelle Gerede von Züchtern über die Vorteile der Linieninzucht herein. Man muß Welpen aus Nicht-Verwandtenzucht suchen, um das Risiko von sich entwickelnder Atemnot, Allergien usw. zu minimieren. Zu finden sind solche Welpen am ehesten abseits des VDH und anderer Zuchtvereine - denn dort geht es in der Regel immer noch um Pokalzuchten mit linien-ingezüchteten "Champions".

Es hat sich herausgestellt, dass diesem Zuchtvereins-Geschäftsmodell der Merkmalbetonung duch Linieninzucht - bei Vernachlässigung der dadurch bedingten Gesundheitsminderung - durch Einsicht von innen heraus leider kaum beizukommen ist. Deshalb haben z.B. der amerikanische und der britische Zucht-Dachverband sowie einige Nordeuropäische Zuchtverbände - auf gesetzlichen und/oder öffentlichen Druck hin - begonnen mit Veterinärkontrollen bei Ausstellungen dagegen vorzugehen, wie z.B. HIER zu lesen ist.

Die BBC beschäftigt sich auch mit dem durch jahrzehntelange Verwandtenzucht und von Vereinen diktierten "Schönheitsidealen" erzeugten genetischen Flaschenhalses beim Bulldog: LINK


Montag, August 15, 2015

Etwas Bulldog-Historie auf Video


Alexandra Schnabel mailte uns diesen Link. Erstaunlich und toll, dass es aus diesen alten Bulldogzeiten Filme über sie gibt.

So sah der Bulldog in den 30er Jahren aus. Und so ist auch in etwa das heutige Zuchtziel:

Wieder größere Nasenlöcher, längere Nasenrücken, weniger Befaltelung, schmalerer Rahmen, längerer Hals, gerade kurze Rute.


Samstag, Januar 2, 2016

Darum Stop mit der Linien-Inzucht


Auf manchen Züchter-Seiten wird immer noch mehr oder weniger oberflächlich (und gereizt) gegen die Warnungen vor weiterer Linieninzucht angeschrieben. Auf das "warum?" lassen sich leicht wichtige Antworten finden:

  • Linien-Inzucht ist billiger, weil man Deckgebühren spart, wenn man immer weiter mit einem (möglichst eigenen) Rüden züchtet - und das über Generationen. So wird dieser Rüde Vater, Großvater, Onkel, Neffe - manchmal einiges gleichzeitig - der Nachkommen.
  • Es ist unbequem und aufwendig immer neue, nicht-verwandte Rüden suchen zu müssen und sich über deren Vorfahren, deren Gesundheitszustand und Fitness ein Bild zu machen.
  • Da sich Hunde aus Linien-Inzucht äußerlich ziemlich gleichen, ist es verführerisch sich auf solche äußerlichen Zuchtmerkmale zu konzentrieren, die dann möglichst auch noch Ausstellungspreise sichern.

Warum raten Genetiker dringend von weiterer Linien-Inzucht ab?

Gene haben sehr verschiedenen Aufgaben. Nur EINE ist die Vererbung von Merkmalen. Und fatalerweise beziehen sich die Züchter, welche weiter die Linien-Inzucht hochpreisen, ausschließlich hierauf; ihr Wissen scheint bei Gregor Mendel (1822-1884) stehen geblieben zu sein :-(

  • In den Genen lagern die Produktions-Anleitungen für ALLE Proteine und Enzyme, die der Körper in den verschiedensten Situationen für seine Funktionsfähigkeit erzeugen können muß. Sie sind die Produktions-Manager der Lebensprozesse.
  • Jedes Gen hat einen mütterlichen und einen väterlichen Chromosomensatz, Allele genannt. Die Natur stellt über zwei UNTERSCHIEDLICHE elterliche Allele pro Gen sicher, dass insgesamt auf höchstmöglich viele Herausforderung der Umwelt reagiert werden kann, weil so höchstmöglich viele Produktionsanleitungen parat liegen.
  • Bei Linien-Inzucht ist - der äußeren Merkmale wegen - Reinerbigkeit ("Homozygotie") angestrebt. Reinerbigkeit bedeutet, Mutter und Vater vererben nicht nur die gleichen Blaupausen von Körpermerkmalen - sondern AUCH die gleichen Produktionsanleitungen zur Steuerung der Lebensprozesse. Die Allele gleichen sich zunehmend.
  • Durch zunehmende Reinerbigkeit wird also die Anzahl der Produktionsanleitungen - das heißt der Vorrat an Reaktionsmöglichkeiten der Körpersysteme - verringert. (Hormonsystem, Verdauungssystem, Nervensystem, Immunsystem usw.) Der Körper weiß dann nicht mehr, wie er auf manche ernste Anforderungen der Umwelt reagieren soll, weil die Anleitungen dazu aus seinen Genen herausgezüchtet wurden...

Dieser beschriebene Verlust an Gen-Wissen ist mit Verarmung des Genpools gemeint.

Gelegentlich wird diese Verarmung des Genpools auch "Flaschenhals" der Zucht genannt, wie im gerade erschienenen Artikel (n-tv Wissen), LINK:
"Durch Eingriffe des Menschen: Hunde haben viele Erbgutfehler". Zitat:


Ursache der Erbgutfehler: Genetischer Flaschenhals

Um solche (rassetypischen) Eigenschaften oder ein bestimmtes Aussehen zu fördern, wurden gezielt nur solche Tiere verpaart, die sie schon in Grundzügen aufwiesen.

Immer wieder behalf man sich zudem mit Inzucht, also der Vermehrung eng verwandter Hunde, wie die Forscher erklären. Schon vor der Rassezucht in den vergangenen 300 Jahren habe es in der Geschichte des Hundes mindestens einen genetischen Flaschenhals gegeben, also eine Zeit, in der es nur einen sehr kleinen Bestand gab und die Vielfalt des Erbguts daher sehr eingeschränkt war.

Solche genetischen Engpässe hatten den Wissenschaftlern zufolge den größten Einfluss auf die beobachtete Häufung mit Krankheiten verbundener Gene.

Bei den Wölfen wurden solche ungünstigen Anlagen hingegen – von kleinen, isolierten Populationen wie in Tibet oder Island abgesehen – über die natürliche Selektion immer wieder ausgemerzt, bei Straßenhunden zumindest teilweise.

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Weiter wird in dem Artikel ausgeführt, dass nicht allein das Vermeiden von Inzucht hilft, sondern es müsse auch der Bestand an sich groß gehalten werden.

Warum? Den Grund dafür kann man gut ableiten: Je größer der Bestand, um so mehr Generationen zurück läßt sich eine Verwandten-Paarung = Linien-Inzucht vermeiden.

Zurück zum Anfang des Beitrages: Warum weigern sich so viele etablierte Züchter, diese Forschungsergebnisse zur Kenntnis zu nehmen, ja versuchen sogar durch redegewandt vorgebrachtem Halb-Wissen, oft "Erfahrung" genannt, dagegen anzurennen?

Warum produzieren sie weiter durch Linien-Inzucht belastete Welpen? Die Antwort wird sich jeder Leser selbst geben können!


Montag, Mai 11, 2015

Zehn Jahre Bulldog-Blog - und:

Die wichtigsten Schritte für das Überleben des Englischen Bulldogs sind getan.


Liebe Leserinnen und Leser, heute feiern wir ein Jubiläum: das zehnjährige Bestehen dieses Bulldog-Blogs. Der 1. Beitrag erschien am 11. Mai 2005.

Es wurde über diese 10 Jahre jeden zweiten Tag ein Beitrag veröffentlicht, das heißt 1815 Beiträge insgesamt - lustige, besinnliche, spannende, warnende, informative und, mir die wichtigsten, aufklärende Beiträge. Aufklärung über den besonderen Zauber des Bulldogwesens, Aufräumen mit Vorurteilen über ihn, das war und ist mir wichtig :-).

Im Blog wurde auch immer wieder über das Elend informiert, welches dem Englischen Bulldog Zucht, Mode und Geldgier antaten und auch noch antun. Die Aufklärung über rasseschädigende, den Genpool ausdünnende Züchtungs-Methoden tut Not, einmal im Sinne der gezüchteten Hunde selbst, aber auch für ihre Käufer ist sie wichtig. Züchter setzten oft wirtschaftliche Zucht-Prioritäten, deshalb ist der "Druck des Marktes" entscheidend.

Und Aufklärung über die sadistische Quälerei, die Massenzüchter ihren "Zuchthunden" antun, ist noch wichtiger. Nicht gerade wenige Menschen entscheiden über den Preis und ahnen nicht, was hinter "Billigwelpen" für ein grausames, verzweifeltes Elend steht.

Zu diesem Jahrestag möchte ich mich bei allen Gastbloggern von Herzen bedanken, denn sie trugen wesentlich dazu bei, dieses Bulldog-online-Magazin, das es der Sache nach ist, abwechslungsreich zu gestalten.

Insbesondere danke ich Isabelle Borgert für ihre spannenden, so informativen wie humorvollen Beiträge. Sie ist unsere aktivste Gastbloggerin: seit September 2007, also schon 7 1/2 Jahre lang, können wir regelmäßig circa zwei Beiträge pro Monat von ihr genießen :-)

Danken möchte ich auch allen Leserinnen und Lesern, die mit oft einzigartigen Fotos, Witzen oder auch Links diesen Blog wesentlich bereichern.

Danke auch an meinen lieben Stu, der mir immer technisch zur Seite steht, und ohne den dieser Blog gar nicht erst begonnen worden wäre.


Die wichtigsten Schritte

für das Überleben des Englischen Bulldogs sind inzwischen getan:

  1. Der Standard wurde (2009) geändert, um ihn wieder "fit for function" werden zu lassen. Der deutsche Zuchtverein ACEB, die hiesige Speerspitzen der Zucht des atmungsbehinderten Extrem-Bulldogs, wurde u.A. als eine Konsequenz dieser Änderungen aufgelöst.
  2. Über ein Dutzend bulldogartiger Rassen wurden neu gezüchtet, und diese erzeugen den nötigen Markt-Druck auf die Züchter des Originals.
  3. Welpenhändler und Welpen-Fabriken werden, auch dank der Medien, gesellschaftlich zunehmend geächtet. Der Gesetzgeber wird dem früher oder später folgen.

Auf diesem Hintergrund nehme ich dies 10-jährige Blog-Jubiläum zum Anlass, ihn in Zukunft nur noch in reduzierter Form weiterzuführen, es wird mittelfristig auf vielleicht 2 Beiträge pro Woche hinauslaufen.

Das Meiste über den Bulldog aktuell und über seine Vergangenheit ist gesagt - und in den Blog-Archiven zu finden :-)

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LINK HIER! --- Auch in diesem Blog finden Sie wundervolle English Bulldogs fit for function :-)


Mittwoch, März 18, 2015

Aschermittwoch,

ein Termin für Selbst-Reflektionen


Wir kennen den "politischen Aschermittwoch". Heute ein paar Anmerkungen zu einem eher "sozialen Aschermittwoch".

Wenn man sich die Hundequäler-Szene - ich meine insbesondere Welpenvermehrer, Welpenhändler und Billigwelpenkäufer - einmal näher ansieht, dann fällt auf, dass diese Leute meist an irgend etwas rummeckern, sich benachteiligt fühlen, anderen für alles die Schuld geben, oder einfach gesagt unglücklich sind.

Ich glaube ein glücklicher und zufriedener Mensch kann keinen Hass, keine Grausamkeit oder auch nur Anteillosigkeit für Mensch oder Tier aufbringen - denn das würde ihn selbst in diese negativen Gefühlsstrudel reinreißen, damit brächte er sich selbst um seine innere Lebensfreude.

Wenn die Menschen kollektiv betrachtet von Neid, Geiz und Gier, Eitelkeit, Rechthaberei, Schuldzuweisungen und Ichbezogenheit ablassen würden, dann ginge es ihnen selbst und auch den Tieren besser.

Entscheiden wir Kummer, Wut, Bitternis und Enttäuschungen nach und nach hinter uns zu lassen. Freude ist im Dasein immer zu finden, wenn man sie finden will. Und vergessen wir den Humor nicht, er hilft bei der (aschermittwochlichen ;-) Selbstreflektion:

Der linke Bulldog oben kennt Züchter.... Der rechte kennt Bulldogger :-)
Und der untere ist klug!


Donnerstag, Januar 15, 2015

Erklärung des Domestikation-Syndroms

Quelle: ScienceDaily (July 14, 2014)


Das Domestikation-Syndrom - weiße Flecken, Baby-Gesichter und Zahmheit - läßt sich durch leichte Defizite der Neuralleiste erklären.

Vor mehr als 140 Jahren bemerkte Charles Darwin etwas Besonderes an häuslichen Säugetieren: im Vergleich zu ihren wilden Vorfahren sind sie zahmer und neigen zu einer Reihe von anderen Merkmalen, einschließlich floppiger Ohren, weißer Fellflecken und jugendlicherer Gesichter mit kleineren Backen. Seit Darwins Beobachtungen hat es sich als schwer erwiesen dieses Muster zu erklären, aber jetzt, in einem Perspektiven-Artikel in der Zeitschrift "Genetics" veröffentlicht, wurde eine neue Hypothese vorgeschlagen, die erklären könnte, warum die Züchtung auf Zahmheit zu Veränderungen so unterschiedlicher Eigenschaften führt.

Die zugrunde liegende Verbindung zwischen diesen Veränderungen könnte die Gruppe von embryonalen Stammzellen, genannt Neuralleiste, sein. Obwohl dieser Ansatz der Forscher noch nicht getestet wurde, ist er die erste Hypothese, die mehrere Komponenten des "Domestizierung-Syndrom" einheitlich verbindet. Dies gilt nicht nur für Säugetiere wie Hunde, Füchse, Schweine, Pferde, Schafe und Kaninchen, sondern kann sogar ähnliche Veränderungen bei domestizierten Vögeln und Fischen erklären.

"Darwin machte seine Beobachtungen, als die genetische Forschung gerade erst begann, deshalb ist das Domestizierung-Syndrom eines der ältesten Probleme in diesem Bereich. So war es ungeheuer spannend, als wir merkten, dass die Neuralleisten-Hypothese dieses Sammelsurium von Merkmalen ordentlich miteinander verbindet", sagt Adam Wilkins von der Humboldt-Universität zu Berlin. Wilkins ist Redakteur bei "Genetics" und einer der Autoren des Papiers.

Neuralleistenzellen werden in der Nähe des sich entwickenden Spinalstrangs der frühen Wirbeltierembryonen gebildet. Wenn der Embryo reift, wandern die Zellen zu verschiedenen Körperbereichen und lassen dort viele Gewebetypen entstehen. Diese Gewebe sind Pigmentzellen, Teile des Schädels, Kiefer, Zähne und Ohren - wie auch die Nebennieren, die das Zentrum der "Kampf-oder-Flucht" Reaktion sind. Neuralleistenzellen beeinflussen auch indirekt die Entwicklung des Gehirns.

Die von Wilkins und den Co-Autoren Richard Wrangham von der Harvard University und Tecumseh Fitch von der Universität Wien vorgeschlagene Hypothese kann eine Beeinträchtigung der Entwicklung oder der Migration von Neuralleistenzellen bei domestizierten Tieren - im Vergleich zu ihren wilden Vorfahren - zeigen. "Wenn Menschen Tiere auf Zahmheit gezüchtet haben, können sie ungewollt die mit leichten Neuralleisten-Defiziten ausgewählt haben, was zu kleineren oder langsamer reifende Nebennieren führte", sagt Wilkins. "So waren diese Tiere weniger ängstlich." Aber die Neuralleiste beeinflußt mehr als die Nebennieren.

Neben anderen Effekten, können Neuralleisten-Defizite Depigmentierung in einigen Bereichen der Haut (zB weiße Flecken), missgebildete Ohrknorpel, Zahnanomalien und Kieferveränderungen bewirken, die alle zum Domestikations-Syndroms führen. Die Autoren vermuten auch, dass das größenreduzierte Vorderhirn der meisten Haussäugetiere eine indirekte Wirkung der Neuralleisten-Veränderungen ist, weil ein chemisches Signal von diesen Zellen kritisch für die richtige Entwicklung des Gehirns ist. Tests der Neuralleisten-Hypothese werden bald erfolgen.


Dienstag, Dezember 30, 2014

Der English Bulldog und der Zeiten Geist

im ewigen Wandel, Teil II


Teil I siehe weiter unten im Beitrag vom 20. Dezember.

Die allgemeine Entwicklung zu stärker ausgeprägter Individualität kann man auch in Bezug auf Hunde erkennen. Dem Modediktat "Aussehen wie die Anderen" wollen sich immer weniger Menschen beugen. Individueller Stil ist gefragt, spitz formunliert: "Aussehen wie kein Anderer". Diese neue Betonung von Individualität betrifft auch die Wahl eines Hundes:

Der Rassehund - EINER gleicht dem Anderen wie ein Ei dem anderen - hat seinen exklusiven, gesellschaftlichen Stellenwert eingebüßt. Mischlinge der verschiedensten Rassen werden zunehmend bevorzugt, auch im Sinne von KEINER gleicht dem Anderen wie ein Ei dem anderen. Als Bulldogger waren wir immer schon so gepolt, denn jeder Bulldog sieht allein schon durch seine Fellfärbung anders aus.

Ein kleines Beispiel weltweiter Individualisierung des Bulldogbildes:
Meine Schwester Gunda kam gerade von einer Australienreise zurück. Sie entdeckte zwei Bulldoggen - diese allerdings nur als Kunstgestalten; einmal naturalistisch als Aufkleber und einmal höchst individuell verfremdet in einem Schaufenster.

Im Zuge dieser Entwicklung zu mehr Individualität entstand ein Markt für diverse neue Bulldogartige, die Mischlinge aus dem English Bulldog und anderen Rassen sind. Hierauf bin ich im Beitrag unten vom 12. Dezember näher eingegangen.


Der English Bulldog ist ein individueller Selbstentscheider,

wenn er gehorscht, dann aus Liebe, Klugheit oder Phlegma :-)

Wir als treue Liebhaber der alten Rasse "English Bulldog", die sein Wesen erhalten haben wollen, müssen uns eben nach Züchtern umsehen, die auch den Genpool aufmischen, indem sie für die nächsten Generationen erst einmal die Linieninzucht aufgeben, aber auch nicht andere Rassen offen oder verdeckt einkreuen.


Der Kynologe R. Strebel (siehe auch Beitrag vom 29. August 2010) hat eine wirklich gute Charakterisierung des besonderen Bulldogwesens geschrieben:
1903 in "Die deutschen Hunde. 2 Band":


Der Grundzug des Bulldogcharakters ist Gutmütigkeit, ein gewisses Phlegma, beides aber nur solange, als sich nichts ereignet oder ihnen begegnet, was ihre schlummernden Leidenschaften auslöst.

Es liegt hierin ein scheinbarer Widerspruch, man kann es aber nicht anders bezeichnen, als daß Phlegma und Leidenschaft unvermittelt nebeneinander ruhen.

In dem Ausbruch ihrer Leidenschaft liegt eine ungeheure Beharrlichkeit, ebenso in dem ihres Willens. Man hat oft dies Unvermittelte für Jähzorn gehalten, ich möchte dies mehr als eine äußerst heftig einsetzende Willensbetätigung bezeichnen, wozu sich ein unentwegtes Festhalten an einem einmal gefaßten Entschluß gesellt."

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Wir wünschen uns und dem English Bulldog für die Zukunft, dass er voller Vitalität ist und dabei sein Wesen erhalten bleibt :-)


Samstag, Dezember 20, 2014

Der English Bulldog und der Zeiten Geist

im ewigen Wandel, Teil I


Wie die meisten von Ihnen sicher wissen, wurden 1835 in England Hundekämpfe verboten. Dies zeigte eine grundsätzliche kulturelle Entwicklung an und löste eine Wende in der Bulldogzucht aus.

Wikipedia: "1875 wurde der „Bulldog Club Incorporated“ gegründet, der von da ab die Zuchtregie übernahm. Ab sofort wurde auf Verträglichkeit Wert gelegt. Ein Kampfhund war nicht mehr gefragt, sondern der friedliche Familienhund."

Am Beispiel des Bulldogs kann man diese kulturelle Entwicklung - weg von Kampf und Krieg als primärem Überlebensgebot - gut nachvollziehen.

Im 2. Weltkrieg trat der Bulldog symbolisch noch einmal als Super-Kämpfer auf, und zwar als Retter Englands vor Hitler. Danach wurde der Bulldog zum friedlichen bis phlegmatischer Sympathie- und Werbeträger, wie hier schon in vielen Beiträgen gezeigt wurde.

Heute symbolisiert der Bulldog - als gnadenloser Krieger - noch die US-Marines (siehe Beitrag vom 8. Feb. 2013), nun, Militärs sind in der Regel Traditionen verhaftet (siehe Beitrag vom 15. Mai 2013). Als "Kämpfer" tritt er sonst nur noch als Symbol für Baseball-Spieler oder andere harte Sportarten auf.

Aber es gibt auch Schattenseiten. In diesen letzten 120 Jahren entwickelte sich ein gegenpoliger Mißbrauch des Bulldogs: er fungierte nicht mehr als auch selbst leidender Kämpfer, sondern als dessen genaues Gegenteil: er wurde zum leidenden, weil bewegungseingeschränkten "Couch-Potato".

In der Bullgogzucht der letzten Jahrzehnte wurde einseitigen Wert auf Körperlichkeit gelegt, und das bis hin zur Qualzucht: Zu großer Kopf, zu breite Brust, zu kurze Beine usw. Sein Kraftaspekt, das heißt besonders seine Bemuskelung, wurde modebestimmt duch Fettwamme ersetzt. Und seine Wendigkeit ging durch angezüchtete Gelenkprobleme vielfach verloren. Der Bulldog spiegelt auch damit den Mainstream des Zeitgeistes: viel und fett essen bei wenig Bewegung. Dieser krankmachende Lebens- und Zuchtstil ist dabei, wie man sagen könnte, sich selbst zu erledigen - Fettsucht ist out!


Der Zeitgeist steht nie still - Individualität ist angesagt

Mehr dazu in der Fortsetzung am 30. Dezember.


Freitag, Dezember 12, 2014

"Bulldogge" und welcher Wirrwarr

sich dahinter versteckt


Es ärgert mich sehr, wenn in der Presse einfach von einer "Bulldogge" gesprochen wird, wenn ein Bulldogartiger einen Menschen gebissen hat. Der "English Bulldog" wird im englischen Sprachraum verkürzt der "Bulldog" genannt. In Deutschland war das auch lange so, aber inzwischen hat das zu Wirrwarr geführt.

Seit einigen Jahren gibt es außen den zwei alten anderen Bulldograssen "Französcher Bulldog" und "American Bulldog" noch viele ganz neue Bulldog-Mixzüchtungen, die sich oft Rückzüchtungen nennen, aber von der FCI nicht als eigene Rasse anerkannt sind:

Beispiele davon, was alles unter dem Oberbegriff "Bulldogge" gemeint sein kann:

"Old English Bulldog", "Continental Bulldog", "Modern Bulldog", "Original Bulldog", "Alternativ Bulldog", "Leavitt Bulldog", "Renascence Bulldog", "Canneo Bulldog", "Pocket Bulldog", "Alapaha Bulldog" und noch mehr.

Diese neuen Bulldogartigen werden oft unter der Flagge der alten Rasse des allseits bekannten und beliebten "English Bulldog" verkauft - oder als dessen "Verbesserung". Dahinter stehen dann Bulldogartige verschiedensten Temperaments und Aussehens. Auch naturscharfe Bulldogartige befinden sich darunter. Eigentlich kein Wunder, dass sich Presseleute da nicht mehr auskennen:

So geschah es der Rheinischen Post, als sie den "English Bulldog" einen Hund der NRW-Liste 1 nannte. Das stimmt nicht für den "English Bulldog", aber für einige andere "Bulldoggen" schon. In der Ausgabe vom 12.11.14 entschuldigte sich die Rheinische Post für ihren Fehler, weil Leser - mit den Fotos eigener Bulldoggen - dagegen protestiert hatten.

Am Rande: Auch Andrea Paatsch mailte uns dieses Zeitungsbild, danke Andrea. Sie weist darauf hin, dass der Welpe Charlie, oben rechs, ein Urenkel unserer Frieda ist. Grüße an ihn und seine Menschen :-)

Sehen Sie sich diese Fotos noch einmal genauer an: mindestens zwei der abgebildeten Bulldoggen haben Köpfe und Nasen, die auch Zeugnis von andersrassigen Vorfahren ablegen. Vermutlich gehören sie einer der oben genannten anderen Bulldograssen an.

Leider wird speziell der "Olde English Bulldog" oft irreführend als "English Bulldog" verkauft. Man erkennt einen "Oldie" an seinem längeren und etwas schmaleren Kopf und an seiner hochbeinigeren und schmaleren Gestalt - er ist mehr Langläufer als Sprinter. Seine Rute ist lang und nach oben geschwungen. Typischerweise ist er auch von etwas anderem Wesen als unser so sturköpfiger wie charmanter "Engländer".

Diese Entwicklung zur Vielfalt des "Bulldog", also weg vom ausgedünnten Genpool der Englischen Bulldoggen aus jahrhundertenlanger (FCI)-Linieninzucht, hat auch ihr Gutes! Diese neuen Bulldogartigen sind durch Einkreuzungen andersrassiger Genpools oft wiederstandsfähiger und beweglicher als die meisten armen FCI-Champions sammt Nachkommen. Wenn also ein echter "English Bulldog" gewünscht ist, dann achten Sie darauf, dass mindestens 3, besser 5 Generationen zurück kein Ahne zweimal auftaucht.

Die Genetik ist ein hochkomplexes Feld, und ich kann deshalb verstehen, dass sich kaum Züchter tiefer darin einlesen. Nun, nach Forschungen der letzten Jahre steht fest, dass sich bei Linieninzucht der Phänotyp, also das äußere Erscheinungsbild, ziemlich genau vorhersagen läßt. Damit begründen immer noch viele Züchter ihr Beharren darauf. Aber diese Züchter kennen die Materie nur oberflächlich:

Bei zunehmender Reinerbigkeit - durch Linieninzucht - geht nämlich ebenso zunehmend den Zellen "Wissen" verloren, welche Proteine sie in bestimmten Situationen produzieren sollen. Sie haben deren "Produktionsanleitung" aus ihren Genen verloren; die "Produktionsanleitung" für anderer Proteine dafür sinnloser Weise aber doppelt gespeichert.

Bemerkbar macht sich das in erster Linie in systemischen Schwächen: Schwäche des Immunsystems, des Verdauungssystems, des Hormonsystems, des Nervensystems usw...

12. Dezember 2014, Kommentar von Alexandra Schnabel:
Hallo Cornelia, der Bericht von heute hat mir sehr gut gefallen... mich regt es auch immer auf, dass unsere Hunde als Kampfhunde dagestellt werden. So eine Aufklärung wie heute im Blog ist einfach mal nötig. Es ist aber auch sehr anstrengend immer dagegen anzukämpfen, aber vielleicht lohnt es sich ja!!! ... Liebe Grüße, Alex
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Donnerstag, Mai 8, 2014

Genetische Studien zum Hunde-Brustkrebs

Quelle: ScienceDaily (Dec. 9, 2013)


Mammatumoren (Brustkrebs) sind die häufigste Krebsform bei Hündinnen. Jetzt hat ein Promotionsprojekt (Kaja Sverdrup Borge, Norwegen) zur Identifizierung von genetischen Veränderungen geführt, die mit mit dieser Art von Tumor einhergehen. Diese Erkenntnisse können dazu beitragen, unser Verständnis von der Brustkrebsentwicklung bei Hunden und auch bei Menschen zu verbessern.

ANMERKUNG:

Brustkrebs bei Hunden wird durch genetische Veränderungen begünstig oder auch ausgelöst - wie beim Menschen.

Die Gen-Disposition zu Brustkrebs ist unterschiedlich von Rasse zu Rasse. Meines Wissens ist dieses Risiko beim Bulldog nicht sehr ausgeprägt.

Jedenfalls: wieder ein Grund mehr nur mit NICHT verwandten Hunden zu züchten, um verdeckte Veranlagungen zum Brustkrebs nicht manifest werden zu lassen.

Brustkrebs ist die häufigste Todesursache bei Hündinnen und ist daher ein wichtiger Faktor für die Gesundheit von Hunden. Das Auftreten von Krebs hängt von der Hunderasse ab, und dies zeigt an, dass genetische Risikofaktoren eine wichtige Rolle in der Entwicklung dieser Krankheit spielen. Aber wir wissen noch wenig darüber, welche Gene und Mutationen zur Entwicklung von Brusttumoren bei Hunden führen können.

Borge studierte bekannte Risikogene bei Hunden, um mehr über die Gene, die Mammatumore prädisponieren, zu lernen. Die Gene, welche bei Menschen mit Brustkrebs assoziert sind, sind bereits bekannt. Borge entdeckte, dass es große Variationen dieser Gene von Rasse zu Rasse gibt. Einige der Varianten erwiesen sich als nachteilig und könnten zu einer Risiko-Potentialänderung bei der Entwicklung von Krebs führen.

Borge verglich die Häufigkeit dieser Gene in verschiedenen Gruppen von Englisch Springer Spaniel mit und ohne Brusttumoren. Die Gene wurden auch in einer anderen Gruppe von Hunden aus Rassen, die entweder eine hohe oder niedrige Inzidenz von Mammatumoren haben, untersucht. Die Ergebnisse dieser Analysen zeigen, dass Varianten des Östrogen-Rezeptor-Gens mit dem Risiko der Entwicklung von Brusttumoren einhergehen.

Krebs entsteht, wenn Mutationen über einen gewissen Zeitraum in mehreren wichtigen Genen auftreten und die Funktion dieser Gene ändern.

Borge untersuchte Mammatumoren, um die Mutationen, die in den Tumoren entstanden sind und somit bei deren Entstehung beteiligt sein könnten, zu identifizieren. Sie konzentrierte sich auf Veränderungen der Anzahl der Genkopien, wo es entweder eine Abnahme oder eine Zunahme in den Genbereichen der Tumore gab.

Borge fand heraus, je bösartiger der Tumor war, um so größer war die Anzahl von Mutationen und um so zahlreicher die Anzahl der Gen-Anomalien. Sie entdeckte wichtige Krebsgene, die beim Menschen schon als Krebsgene identifiziert waren, aber auch neue Bereiche (Gen-Orte).

Borge hat auch gezeigt, dass die Verknüpfung detaillierter histopathologischer Parameter bei der Mammatumordiagnostik mit den genetischen Mutationen helfen könnte, spezielle Gene, die zum Wachstum von bösartigen Krebsarten führen, zu bestimmen. Mehr Wissen über die genetischen Veränderungen, die Brustkrebs verursachen, ist nötig für dessen Vorbeugung, Diagnose und Behandlung.

Die Ergebnisse des Borge Promotionsprojektes werden in erster Linie helfen, unser Wissen über diese Krankheit bei Hunden zu verbessern, aber sie zeigen auch, dass es viele Ähnlichkeiten zwischen krebserregender Gen-Mutationen bei Hunden- und bei Menschenbrustkrebs gibt. Dies bedeutet, dass das Studium von Krebs bei Hunden eine gute Möglichkeit der Identifizierung genetischer Risikofaktoren für Krebs ist, und es kann auch zu einem besseren Verständnis führen, wie Krebs bei Menschen entsteht.


Montag, März 31, 2014

Quantitatives Denken verliert

qualitatives gewinnt :-)


Wenn man versucht Ursachen für Qualzucht und Welpen-Massenproduktion zu finden, gelangt man schnell zu dem beides antreibenden Motor des "MEHR": mehr Standardübertreibung und damit mehr Pokale, mehr Welpenfabriken und damit mehr Verkauf; mehr Status, mehr Geld...

Quantitatives Denken ist zum Kulturmerkmal geworden - und es betrifft nicht nur die Hunde.

Wir finden es z.B. gleichermaßen im Leistungssport. Hier heißt es immer weiter neue Rekorde, und mit den dazu inzwischen nötig gewordenen Dopingmittel ruinieren die Sportler sich selbst... Auch die Globalisierung, so wie sie heute mehrheitlich praktiziert wird, ist ein Kind des "Mehr": mehr billig und ohne Rücksicht auf Umwelt und Menschen produzieren, mehr verkaufen, mehr verdienen - und das mit immer mehr Leistung bis hin zu kaputten Gelenken, Herzen, zu Asthma und Burnout...

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Lebensqualität wird wichtiger als Geld.

Die Kultur des quantitativen Erfolgsdenkens hat heutzutage deutlichen Gegenwind bekommen: das qualitative Denken gewinnt langsam aber stetig an Einfluß.

Auf unsere Bulldogs bezogen heißt qualitatives Denken:

Der Billigwelpen-Massenmarkt ist mehr und mehr geächtet, und die unbelehrbaren Züchter von FCI-Championabkömmling mit Behinderungen durch Überzüchtung sind inzwischen gewaltig in Veruf geraten. Der lebensfrohe und gesunde Bulldog, zu einem angemessenen Preis aus verantwortungsvoller Zucht, ist der heutige Mainstream-Traumbulldog.

Auf uns selbst bezogen heißt qualitatives Denken:

Mehr Zeit für Familie und Hobby; mehr Zeit in der Natur - auch mit und für einen Hund :-) Eine intakte und saubere Umwelt wird angestrebt, auch wenn sie uns eine gewisse Bescheidenheit abverlangt. "Time is money" meint, Geldhaben ist erstrebenswerter als Zeithaben. Heute fühlen viele Menschen eher, dass wahrer Reichtum im Zeithaben liegt - und in spontaner Lebensfreude, wie Hunde sie uns zeigen. Ein Artikel, den ich vor eingen Monaten in der FAZ las, beschrieb diesen Trend ausführlich. Ein Beispiel daraus: Nach dem Studium fragen Berufsanfänger bei Einstellungs-Gesprächen immer häufiger nach einem Sabbatjahr, und immer weniger nach einem Dienstwagen. Sie sind Trendsetter :-)

So wie unsere Hunde - kollektiv betrachtet - ein Opfer übertriebenen quantitativen Denkens wurden, so wurden wir selbst es auch. Und indem wir - wieder kollektiv betrachtet - uns selber helfen, helfen wir auch den Tieren um uns herum. Diese Entwicklung stimmt mich hoffnungsfroh :-)


Freitag, Januar 24, 2014

Hunde entwickelten sich in Europa

vor 18.000 - 36.000 Jahren

Quelle: ScienceDaily (Nov. 14, 2013)


Wölfe wurden wahrscheinlich durch europäische Jäger und Sammler vor mehr als 18.000 Jahren domestiziert und allmählich zu Hunden und zu Haustieren entwickelt. Dies berichten UCLA Biowissenschaftler in der Fachzeitschrift "Science".

"Wir haben festgestellt, dass nicht die heutigen Wölfe die dem Haushunde nächsten Verwandten sind, sondern die alten europäischen Wölfe", sagte Robert Wayne, Professor für Ökologie und Evolutionsbiologie im UCLA College of Letters and Science und Leiter dieser Forschung. "Dies bringt die genetischen Daten in Übereinstimmung mit dem archäologischen Befund: in Europa wurden die ältesten Hunde gefunden."
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Die Forschungsergebnisse wurden auf dem Kongress "Biologie der Genome" im Mai in New York vorgestellt. Es wurden die vollständigen Genome der drei letzten Wolfrassen (aus dem Nahen Osten, Asien und Europa) mit den Genomen zweier alter Hunderassen und des Boxer verglichen. "Wir analysierten diese sechs Genome mit modernster Methode und stellten fest, dass keine dieser Wolfspopulationen dem Haushund am nächsten verwandt zu sein schien" sagte Wayne. "Wir dachten, einer von ihnen wäre das, weil sie Wölfe aus den drei möglichen Zentren der Hunde-Domestikation sind, aber keiner war es. Alle Wölfe bildeten eine eigene Gruppen, und alle Hunde bildeten andere Gruppen."

"Die UCLA Biologen stellten auf dieser Konferenz die Hypothese auf, dass eine heute ausgestorbene Population von Wölfen direkter mit Hunden verwandt war, als vermutet." Für die aktuelle Studie untersuchten die Forscher 10 alte "wolf-like" Tiere und acht "dog-like" Tiere, vor allem aus Europa. Diese Tiere lebten vor mehr als 1000 Jahren, die meisten vor mehreren Tausend Jahren, und zwei vor mehr als 30.000 Jahren.

Die Biologen untersuchten die mitochondriale DNA der Tiere, die reichlich in den alten Überresten vorhanden ist. (Mitochondrien sind winzige subzellulären Strukturen mit ihren eigenen kleinen Genoms.) Durch den Vergleich dieser alten mitochondrialen DNA mit den modernen mitochondrialen Genomen von 77 Haushunden, 49 Wölfen und 4 Kojoten ermittelten die Forscher, dass die heutigen Haushunde genetisch mit den früheren Wölfen und früheren Hunden aus Europa gruppiert sind - und nicht mit Wölfen, die irgendwo sonst auf der Welt gefunden wurden, und auch nicht mit modernen europäischen Wölfen. Sie folgerten, das sie von den Wölfen abstammen, die Europa bewohnten und heute ausgestorben sind.

Wayne sagte, dass die Domestizierung des Raubtieres Wolf wahrscheinlich unter den alten Jäger-Sammler-Gruppen erfolgte, und nicht Teil der menschlichen Entwicklung zu sesshaften, landwirtschaftlichen-basierten Gemeinschaften war.

"Der Wolf ist die erste domestizierte Art, und sie sind die einzigen großen Fleischfresser, die Menschen jemals domestizierten", sagte Wayne. "Dies erschien mir immer seltsam. Andere Wildarten wurden in Verbindung mit der Entwicklung der Landwirtschaft domestiziert, und sie brauchten dann für ihre Existenz die Nähe von Menschen. Dies wäre eine schwierige Lage für ein großes, aggressive Raubtier gewesen. Aber wenn die Domestizierung in Verbindung mit Jägern und Sammlern stattfand, kann man sich vorstellen, dass die Wölfe unter Ausnutzung der Schlachtabfälle, welche die Menschen zurückließen - was eine natürliche Rolle für jeden großen Fleischfresser ist - im Laufe der Zeit durch eine ko-evolutionären Prozess den Menschen näher kamen".
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Er sagte, die Idee von den Jägern und Sammlern folgenden Wölfen hilft auch, die eventuelle genetische Divergenz, die zum Aussehen der Hunden führte, zu erklären. Wölfe, die dem Wandermuster dieser frühen menschlichen Gruppen folgten, würden ihr Territorialitätsprinzip aufgeben, und es wäre weniger wahrscheinlich, dass sie mit anderen, territorial orientierten Wölfen Nachkommen zeugen. Wayne wies darauf hin, dass eine Gruppe moderner Wölfe diesen Prozess veranschaulicht.

"Wir haben heute einen analogen Prozesses. In der Tundra und den borealen Wälder (Taiga) von Nordamerika ist nur eine wandernde Wolfsgruppe bekannt. Sie folgt den Karibu-Herden über den kargen Boden während deren Tausend-Kilometer-Wanderung. Wenn diese Wölfe im Winter aus der Tundra in den borealen Wald zurück kommen, mischen sie sich nie mit lokal-sesshaften Wolfsgruppen. Wir denken, dass dies ein Modell für Domestikation und die Vererbungs-Divergenz von den frühesten Hunde zu den wilden Wölfen ist.

"Wir wissen auch, dass bestimmte Wolfspopulationen seit Zehntausenden von Jahren bestehen," sagte Wayne. "Ein solcher Wolf, den wir 'megafaunal Wolf' nennen, erlegte in großen Jagden Tiere wie Pferde, Bisons, und vielleicht sehr junge Mammuts. Isotope Daten zeigen, dass er diese Tiere aß, und der Hund kann von Wölfen - ähnlich diesen Wölfen des späten Pleistozän in Europa - abgeleitet werden."

In Studien, veröffentlicht 2010 in der Zeitschrift "Nature", berichteten Wayne und Kollegen, dass Hunde mehr genetische Ähnlichkeit mit lebenden grauen Wölfen im Nahen Osten haben als mit jeder anderen Wolfsgruppe, und es wurde vorgeschlagen, desshalb Nahost als Ursprung moderner Hunde anzunehmen. Die neuen genetischen Daten habe ihn vom Gegenteil überzeugt.

"Wir sind nun in der Lage zu zeigen, dass die vorher gefundenen Ähnlichkeiten zwischen Middle Eastern Wolf und Haushund das Ergebnis einer Kreuzung zwischen Hund und Wolf in der Hunde-Geschichte sein dürfte. Sie müssen nicht unbedingt darauf hindeuten, dass der Ursprung des Hundes im Nahen Osten liegt", sagte Wayne. Diese alternative Hypothese sollten wir, im Nachhinein, näher betrachten: Als Jäger und Sammler um den Globus zogen und ihre Hunde ihnen im Schlepptau folgten, kreutzen sie sich wahrscheinlich mit Wölfen."

Wayne hält die neuen genetischen Daten für überzeugend, sagte aber, dass sie durch eine Analyse der genetischen Sequenzen aus dem Zellkern (rund 2 Milliarden Basenpaare) bestätigt werden müssten - also mit einer deutlich größere Datenbasis als in der mitochondrialen DNA (ca. 20.000 gefunden Basenpaare). Das ist eine Herausforderung, da die Kern-DNA der antiken Überreste dazu neigt sich abzubauen.

Während Wayne plant, diese Follow-up-Forschung zu betreiben, sagte er, er erwarte nicht, dass eine nukleare Genom-Analyse, die zentrale Feststellung ändert. Allerdings würde sie mehr Details liefern. "Dies ist nicht das Ende der Debatte über die Domestikation des Hundes, aber ich denke, es ist ein starkes Argument gegenüber anderen Hypothesen der Hunde-Herkunft".

Es ist eine wissenschaftliche Debatte darüber, wann Hunde domestiziert wurden und ob das mit der Entwicklung der Landwirtschaft vor weniger als 10.000 Jahren zusammen hängt - oder ob die Domestizitierung schon viel früher stattfand. Nach den Ergebnis der neuerer Forschung, schätzen Wayne und seine Kollegen, wurden Hunde schon vor 18.000 bis 32.000 Jahren domestitiert.

Rund 80 Prozent der Hunderassen sind moderne Rassen, die in den letzten paar hundert Jahren gezüchtet wurden, sagte Wayne. Aber einige Hunderassen haben eine alte Geschichten von Tausenden von Jahren. Wölfe gibt es in der Alten Welt seit Hunderttausenden von Jahren. Die frühesten Hunde lebten den archäologischen Befunden nach in Europa und West-Russland. Ein Hundeskelett, das man in Belgien fand, ist rund rund 36.000 Jahre alt, und eine Gruppe von Hunden aus dem westlichen Russland ist rund 15.000 Jahre alt, sagte Wayne.


Freitag, November 15, 2013

Die dunkle Seite der "Bulldog-Mania"


In der "Daily News" fand ich einen Artikel, in dem aufgegriffen wird, wie übel es sich in der Regel auf die Mitglieder einer Rasse auswirkt, wenn diese sehr populär wird. Seit einigen Jahren gilt das leider - besonders in den USA, aber auch weltweit - für den Bulldog.

"Der Englische Bulldog hat mit seinen großen sanften Augen, seinem stämmigen Körper und seinem drolligen Grinsen die Herzen der Hundefreunde erobert." Diesem Satz stimme ich unbedingt zu!

In dem Artikel geht es dann um die dunkle Seite dieser großen Popularität des Bulldogs: Die Mitarbeiter des "Long island Bulldog-Rescue" beklagen die Schwemme an Notbulldogs, besonders auch an Welpen, welche durch die Bulldog-Mania ausgelöst wird.

"Es ist sehr schwer, nicht in Liebe zu ihren Gesichtern zu fallen", sagte Laurette Richin von einer regionalen Bulldog-Rettung, die Hunderte von Not-Bulldogs in den letzten Jahren aufgenommen hat.

"Die Leute denken, die Bulldogs sind Couch-Potatoes, aber sie brauchen viel Zeit und Aufmerksamkeit. Es ist wie mit einem 3-jährigen Kind...."

"Die Leute sehen einen Hund, der sehr gut ausgebildet und gut betreut ist. Die denken, sie kaufen einen Bulldog, der surft und Skateboarden beherrscht." Sie sagt weiter: "Manche Menschen können nicht mit der Welpen-Phase klarkommen, andere nicht mit den medizinischen Fragen, wenn die Bulldogs älter werden"... Viele sind mit den medizinischen und emotionalen Bedürfnissen eines Bulldogs überfordert. Sie setzen ihn dann einfach aus oder übergeben ihn an uns."

"Der Englische Bulldog hat mit seinen großen sanften Augen, seinem stämmigen Körper und seinem drolligen Grinsen die Herzen der Hundefreunde erobert." Diesem Satz stimme ich unbedingt zu!

Laurette Richin weist besonders darauf hin, dass die Popularität einer Rasse skrupellose Menschen oft zu tierquälerischer Massenzucht verleitet, um schnell an viel Geld zu kommen.

Als Bulldog-Retterin wirbt sie im Artikel um Pflegefamilien und Adoptiveltern für die ihr anvertrauten Notbulldogs: "Es ist so eine lohnende Erfahrung. Sie sind wie kleine Bündel Liebe."

Es beeindruckt mich immer wieder, wie groß in den USA die persönliche Hilfsbereitschaft und Spenden-Freudigkeit ausgeprägt ist. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass es keine staatlichen Zuschüsse zu Tierheimen, wie bei uns, gibt.

Der Kern dieser fahrlässigen Ahnunglosigkeit vieler Hundekäufer scheint mir vielfach in Versäumnissen der frühen Erziehung zu liegen. Es wachsen nicht mehr viele Kinder mit einem Hund auf; sie lernen nicht ihn als fühlendes, auf Freundschaft angelegtes Rudel-Wesen zu begreifen. Und in späteren Lebensphasen können diese Erfahrungen, wegen der bei uns zunehmenden gesellschaftlichen Hundefeindlichkeit, auch nicht viele Menschen nachholen. Das ist sehr traurig. Es hilft nur geduldige Aufklärung.


Gordo, ein Opfer der Massenzucht für Profit

Auf der Seite der "Long island Bulldog-Rescue" ist das tragische Schicksal von Gordo beschrieben - als Warnung und als Bitte, nicht Massenzuchten (und Hundehändler) durch den Kauf eines Welpen zu fördern. Ich übersetze Gordos Geschichte, da solch eine Warnung auch bei uns immer wieder bitter nötig ist:

Mein Name ist Gordo und ich bin ein 7-monatiger English Bulldog Welpe. Ich bin ein Opfer der Zucht aus Profitgier.

Es ist sehr schwer für mich zu atmen, weil ich schlecht gezüchtet wurde. Ich habe ein zu großes Gaumensegel und eine zu enge Luftröhre. Meine Atmung ist mühsam, laut, oft huste ich, manchmal erbreche ich Wasser und Futter. Ich wurde abgesaugt und hatte bereits mehrmals eine Lungenentzündung. Meine einzige Chance auf ein normales Leben ist eine Hals-Operation. Ich habe auch ein Cherry-Eye und verformte Pfoten und Hüftdysplasie. "Long island Bulldog-Rescue" will mich in eine Pflegefamilie geben während sie Geld für meine Operationskosten sammeln. Bitte spendet für mich. Und erzählt meine Geschichte weiter, damit weniger Menschen Welpen über eine Internetanzeige oder beim Händler kaufen.

Es gibt viele Leute, die unschuldige Tiere missbrauchen, nur um ihre Taschen zu füllen. Helft diesen Kreislauf zu stoppen! Meine Pflegemutter sagt, dass ich mutig bin und den Bulldog-Geist habe! Ich möchte mich besser fühlen und helfen, meine Geschichte zu verbreiten, damit andere gerettet werden.

 
Atmen Sie tief durch, klären Sie ihr Gemüt. Heute Abend verlor unserer kleiner Gordo seinen Kampf gegen die Lungenentzündung. Sein Herz gab auf. Geschwächt durch die Kämpfe gegen die chronische Lungenentzündung konnte sein kleiner Körper den Kampf nicht mehr durchstehen. Er wurde von so vielen in seinem kurzen Leben geliebt, hat so viele Herzen berührt.

Wir müssen in seinem Namen gegen die Massenzucht, die sein Leiden geschaffen hat, weiterkämpfen.

Gordo wurde jede Chance gegeben: durch Sie, die für ihn beteten und spendeten, durch die, die ihn pflegten, durch die Tierärzte und Mitarbeiter von LIVS durch LIBR, und durch seinen eigenen erstaunlich starken, glücklichen Geist. Sein Körper war einfach zu müde. Wir sind untröstlich.

Denken Sie daran, dass das, was wir durch ihn über die Erweiterung der Luftröhre gelernt haben, anderen Hunden helfen kann.


Sonntag, November 3, 2013

Forscher sind den Genen für

Kurzschädeligkeit auf der Spur

Quelle: ScienceDaily (Feb. 8, 2013)


Des Menschen bester Freund kann unsere Herzen mit seinem Einfühlungsvermögen, seiner Geselligkeit, Verspieltheit und Loyalität berühren, und er kann uns auch zu einem tieferen Verständnis unserer Schädel führen.

Im Artikel "Die Genetik der Variationen der Hunde-Schädel" in der Februar-Ausgabe der Genetics Society of America Journal, berichten Jeffrey J. Schönebeck, PhD, und Elaine A. Ostrander, PhD, Forscher am National Human Genome Research Institute (NHGRI), über die Fortschritte bei der Definition der Gene und Signalwege, die die Entwicklung der caninen Schädelform bestimmen, seit vor acht Jahren das Genom des Hundes kartiert wurde.

Diese Forschungen haben auch Bedeutung für Hundeliebhaber und Züchter.

Kommentar:

Für die Zurückdämmung qualzuchtrelevanter Ausprägung des Gesichtsschädels beim Englischen Bulldog reicht es schon, für einige Generationen nur mit den Nachkommen weiter zu züchten, bei denen die unerwünschten Extrem-Ausprägungen rückläufig sind.

Wer zudem konsequent auskreuzt, der hat nach einigen Generationen kaum noch Welpen mit atmungsbehindernden Extrem-Schädeln, so wie sie heute noch verbreitet sind. Vereinfachend gesagt sorgt bei Auskreuzungen die Natur dafür, dass sich gesündere Erbteile (Allele) zwar nicht bei jedem, aber doch bei vielen Welpen eines Wurfes dominant durchsetzen können.

Viele Generationen später kann dann der weniger extreme Kurzschädel genetisch durch gelegentliche und vorsichtige Linienzucht stabilisiert werden. Die Kunst dabei ist, das wunderbare Wesen des Englischen Bulldogs beizubehalten.

Dr. Schoenebeck sagte: "Hunde können als Modell für das menschliche Schädelwachstum und seine Formbestimmung dienen, weil der genetische Erhaltungsgrad bei Hunden und Menschen es sehr wahrscheinlich macht, dass die Entwicklung des Gesichtsschädels bei beiden Arten ähnlich reguliert ist." "Diese Entdeckungen sind besonders für Kinder mit angeborenen Schädelmissbildungen wichtig, z.B. durch zu frühe Gesichtsknochen-Zusammenschlüsse verursachte Augenvorwölbungen und eine überbreite Stirn, die Zahn- Augen- und andere Probleme verursachen" fügt Dr. Ostrander hinzu.

Die Schädelform ist ein komplexes Merkmal, an dem mehrere Gene und deren Interaktionen beteiligt sind. Dank der standardisierten Hundezucht - mit mehr als 400 Rassen weltweit und deren dokumentierten unterschiedlichen morphologischen Merkmalen, insbesondere der rassebezogen variierenden Schädelformen - können die Forscher einzelne Merkmale der Schädelformen genetisch entflechten.

Zum Beispiel beginnen die Forscher zu erkennen, welche Gene einen Bulldog oder einen Mops mit Kurzschädeligkeit (Brachyzephalie), oder einen Saluki oder einen Collies mit schmaler längliche Schnauze (Dolichozephalie) verursachen. Zwischen diesen beiden verschiedenen caninen Schädelformen gibt es viele rassegezüchtete Variationen, wie z.B. den abgerundeten Schädel des Chihuahua oder die nach unten weisenden Schnauze des Bullterrier, die nicht sauber als brachyzephal oder dolichocephal kategorisiert werden können. Forscher nutzen nun "genomweite Assoziationsstudien" (GWAS), um Gen-Orte zu identifizieren, die mit dieser Art von subtilen Unterschieden verbunden sein können.

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Die Verwendung von GWAS bei der Bestimmung genetischer Variation bei Hunden ist in den Kinderschuhen. Was spannend ist, sagte Dr. Schoenebeck ist, dass mit diesen Studien und diesem Werkzeug Forscher nun die Gen-Karte dieser Schädelvariationen haben. "Wir könnten neue Rollen für Gene finden, die wir nie zuvor als an der Schädelentwicklung beteiligt sahen." Weil bei Hunden und Menschen Gene und genetische Signalkaskaden ähnlich sind, könnten unerklärliche Entwicklungsstörungen des menschlichen Gesichtsschädels besser verstanden werden. Die Identifizierung der ursächlichen genetischen Mechanismen dieser Veränderungen bei Hunden bietet Forschern die Möglichkeit, bei menschlichen Schädelanomalien herauszufinden, welche Art von genetischer Variation in Frage kommen und welche nicht", sagte Dr. Ostrander.

"Wie sich ein Bulldog-Kopf entwickeln sollte", siehe dazu Beitrag vom 29. November 2007.
Drs. Schoenbeck und Ostrander zeigen deutlich, dass es eine Menge mehr an Forschung über die Gesichtsschädelentwicklung bei Hunden zu tun gibt. Es ist auch klar, dass die Verbindung zwischen uns und unseren vierbeinigen Freunden so in unseren Köpfen ist, wie auch in unseren Herzen.


Donnerstag, September 12, 2013

WDR: "Viel Rasse, volle Kasse"


Am 26. August 2013 sendete der WDR eine wirklich informative Sendung über die Zucht von Rassehunden mit furchtbar quälenden Defekten wie z.B. Hirnquetschungen, Atembehinderungen, Herzfehlern usw...

Der VDH steht in Bezug auf Qualzucht - und in Bezug auf Gewinn - in der 1. Reihe! Prof. Distl, Tiergenetiker: "Bei mir kommt erst die Gesundheit, dann der Standard. Beim VDH ist das umgekehrt." Deshalb trat Prof. Distel (Uni Hannover) vor mehreren Monaten aus dem VDH-Vorstand aus.

Es lohnt sehr, sich die Sendung anzusehen! Link : HIER !

Genetische Zusammenhänge werden richtig gut und allgemein verständlich klargestellt. Ausführlich wird darauf eingegangen, wie der Genpool einer Rasse wieder "verdünnt" werden kann, das heißt wie die derzeitigen Ballungen von Genen, die Qualbildungen verursachen, wieder zurückgedrängt werden können.

Kurz und vereinfacht zusammengefaßt: Auskreuzen! Keine Doppel-Ahnen mehrere Generationen zurück! Finger weg von jeder weiteren Linien-Inzucht! Anders geht es nicht!

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Die Vorlieben der Käufer von Rassehunden spielen für die Qualzucht eine Riesenrolle. Wo ein Markt ist - da sind Anbieter!

Ich gehe davon aus, dass jedem Hundefreund ein gesunder Hund wichtig ist, warum kaufen dannn immer noch so viele Menschen kaum lebensfähige und schmerzgeplagte Rassehunde??? Ein paar Gedanken von mir dazu:

  • Haben diese Käufer sich nicht gut vorinformiert ?

  • Erkennen sie nicht das Hundeleid hinter den Extrem-Ausprägungen von Standardmerkmalen ?

  • Glauben sie dem ja so freundlichen Züchter alles ? Und halten sie die Marketingsprüche des VDH (FCI) und ausländischer FCI-Vereine aus Naivität für Fakten?

  • Oder vielleicht wollen sie mit ihrem "Modeerwerb" nur die Schau machen?

    Unserer Meinung nach hilft nur Aufklärung. Dieser Blog bemüht sich schon seit über 8 Jahren darum.

    Zu unserer großen Freude hilft das Fernsehen seit einiger Zeit durch Dokumentationen und Reportagen den kaputt-gezüchteten Hunderassen sehr. Wir wünschen uns, dass über das Internet noch viele weitere Menschen speziell diese aufklärende Sendung sehen. Deshalb auch dieser Beitrag.

    In der Sendung wird auch auf den Hundehandel eingegangen; und wie weit England uns in Deutschland in Bezug auf tierschutzgerechte Rassehundezucht voraus ist - zwar langsam, aber immerhin - das wird auch gezeigt. Der große Blockierer bei uns ist, wie wieder deutlich wird, der VDH (Verband für das deutsche Hundesen) Welche Schande....

    A propos Rassemerkmale: In der Sendung sagt ein Veterinär, dass bis zu einem gewissen Entwicklungspunkt ein Rassemerkmal wie Vorbiß, Kurzbeinigkeit usw. usw. "gut geht", dann aber mit den Extremausprägungen das Elend begann. Es geht also nicht darum, gewisse Rassen als Qualzucht zu verbieten, sondern sie wieder auf den Stand zurückzuzüchten, den sie in etwa vor dem 2. Weltkrieg hatten.


    Mittwoch, Juni 26, 2013

    NDR: "Von wegen mopsfidel - was Menschen

    Hunden antun"


    Esmeralda Gotzes schickte uns diesen Link zur NDR-Reportage (Bild oben). Sie mailte dazu:

    "Hallo Cornelia und Stu, ... Vielleicht habt Ihr ja auch gestern diese Sendung sehen können, ich fand es könnte interessant sein für Dich und dein Blog. Ist zwar wie so oft nicht unbedingt ein schönes Thema, aber für manch einen Deiner Leser informativ.

    Wenn ich solche Beiträge sehe, mache ich jedesmal drei Kreuze, dass unsere Zwei wirklich nichts mit so Etwas oder anderen Krankheiten zu tun haben. Ausser zu Imfungen sind wir mit Bruno und Biene nieeeeeeeeee beim Tierarzt. So soll es auch weiterhin bleiben. Biene ist mit Ihren 9 1/2 Jahren putzmunter. Siggi meint, sie überlebt uns alle hier.... Esmeralda"

    Danke Esmeralda für diesen Tipp. Die Reportage regt wirklich an, sich vor dem Kauf besonders eines Bulldogwelpen gut über Zuchtvereine und Züchter zu informien. Die Diskrepanz zwischen der Selbstverherrlichung des VDH und seiner Zuchtwirklichkeit wird offenkundig gemacht. Dort geht es "um Glanz und Ruhm", und natürlich ums Geld.... aber nicht um lebensfrohe, gesunde Hunde.... Diese Reportage klärt auf!

    Bulldogge Emma ist einer der "Hauptdarsteller" dieser Reportage: eine OP ihrer Nasenlöcher, Nasengänge, Gaumensegel usw. wird gezeigt und erklärt. Tierärzte äußern sich sehr deutlich über das Elend, welches Menschen den Hunden immer noch durch Qualzucht antun.


    Donnerstag, Januar 3, 2013

    Neuer Trend in der Bulldogzucht:

    seltene Fellfarben


    Der Standard von Hunderassen hat bei sehr vielen Menschen an Bedeutung verloren, ja sogar einen negativen Beigeschmack bekommen. Ursächlich dafür dürften all die Erbdefekte, Behinderungen und zum Teil grotesken Übertreibungen einzelner Merkmale sein, die sich durch jahrzehntelange züchterische Fixierung allein auf das äußere Standard-Erscheinungbild der Rassehunde genetisch festgesetzt haben.

    Beispiele für die Abwendung von Rassestandards sind zum einen die immer beliebter werdenden Rasse-Mischungen, die Designerdogs, wie z. B. die "Goldendoodle". Dadurch soll wieder eine genetische Vielfalt, und das bedeutet Gesundheit, für die Hunde erreicht werden.

    Eine weitere Abwendung von der strikten Zucht nach Standard ist die Zucht von Hunden, die nur eine nicht-standard Fellfärbung haben. Für den Englischen Kennel Club bedeutet dies Zuchtausschluss, für den Amerikanischen Dachverband AKC aber nicht!

    Solche Farben sind:
    dunkelschoko, verdünnt (lilac) dunkelschoko, schwarz-weiß, dreifarbig, weiß ohne Forellenflecken, blond schwarz-gestromt, grau schwarz-gestromt, blau ("blau" bedeutet, dass der Hund ein "Farb-Verdünnungs-Gen" hat) usw....

    HIER finden Sie eine Farbscale mit jeweiliger Beschreibung all der neuen Farbvarianten. HIER finden Sie eine leicht verständliche Darstellung der Vererbungswege der Fellfarben. Und HIER finden Sie unten auf der Seite Links zu dem genetischen Hintergrund der Einzelfarben mit jeweis vielen schönen Fotos von Bulldogs mit diesen Farbvarianten.

    Die Zucht "Rare Bulldogs", (Florida) der diese Webseite gehört, ist meinem Eindruck nach eine kommerziell proffessionelle Zucht. Von solchen Zuchten rate ich eher ab, da dort auf das Wesen der Zuchthunde und die Sozialisierung der Welpen wenig Wert gelegt wird, bzw. wegen des zwangsläufigen Massenbetriebes auch oft nicht gelegt werden kann. Man sollte sich aber sowieso immer einen persönlichen Eindruck von einer Zucht machen.

    Mir gefällt an dieser Zucht, dass die Zuchttiere (klicken Sie auf "Stud" und "Mom") nicht in verfälschender Ausstellungspose gezeigt werden, sondern ziemlich natürlich. Man sieht, dass diese Hunde tatsächlich keine Champion-Bulldogs sind, in den Augen eines traditionellen Show-Richters hätten einige davon deutliche Fehler, wie z.B. zu viel Vorbiß.

    -
    Bulldogs mit solchen Farben sind sehr gefragt, sie kosten oft 1000 $ mehr als die standard-farbenen. Mir gefallen sie, da ich sie als sehr ausdrucksstark empfinde! Unser erster Familien-Bulldog, er wurde 1971 geboren, war schwarz-weiß und ein kluger, mutiger Kerl. Er lief nicht vor dem Donner weg, sondern er sprang böse bellend hoch, um ihm die Meinung zu sagen ;-)

    Rafaela Schudas Welpen von Käthchen und Beebob zeigen (ohne Preisaufschlag) solch wundervolle seltene Farben von blond-gestromt bis schoko-gestromt, noch ist das eine Rarität in Deutschland. Vater Beebob hat sein Schwarz häufig vererbt. Ich hoffe mit einigen dieser Nachkommen wird weitergezüchtet werden.

    Nachtrag 21. 3. 13:
    Auch russische Züchter sind auf diesen Trendzug aufgesprungen und sprechen dabei ganz offen von "Luxus-Bulldogs". Das ist in Anbetracht der Preise richtig, in Bezug auf "fit for function" läßt diese Seite alles im Dunklen! Diese Seite in ihrer Gesamtheit macht mich traurig und - wie bei jeder anderen Puppy-Mill - auch verbittert.
    Hier geht es offensichtlich nur noch um´s Geld beim Züchter und um den Status "reich" beim Käufer :-((
    -


    Die Beiträge der Jahre 2012 und 2011 finden Sie HIER !

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    Cornelia
    Savory-Deermann
    , geboren 1945 in Wuppertal, hat seit inzwischen 37 Jahren Englische Bulldoggen und ist Gründungs- und Ehrenmitglied des "Verein der Freunde Englischer Bulldogs e.V.".

    Jetzt sollen die Bulldogs zusätzlich hier ihr eigenes deutsches Weblog bekommen. Jeder Leser kann Blog-Beiträge an Cornelia schicken, Eure Bulldog-Anekdoten, -Fotos und -Tipps für's Blog sind willkommen. Der jeweilige Autor behielt sein Copyright an Bildern und Text, gab aber Cornelia ein einmaliges, unwiderrufbares Nutzungsrecht für eine Veröffentlichung in diesem Blog.


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    und von Zeit zu Zeit Vorstellung guter Würfe:

    Update: 21. 3. 2008

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